Werner Steinmetz – Musikmensch mit vielen Blickwinkeln

Rund ein Vierteljahrhundert ist er als Komponist aktiv, was durchaus keine Konkurrenz, sondern im Sinn des selten gewordenen Allrounders eine sinnvolle gegenseitige Stimulation zu seiner Tätigkeit als ausübender Musiker darstellt. Auch da ist es wiederum keineswegs ausschließlich der Trompeter Werner Steinmetz, der insbesondere im Rahmen seiner Position im Brucknerorchester Linz, sondern auch in Klangkörpern wie dem Austrian Art Ensemble, den Österreichischen Kammersymphonikern und dem Wiener Johann Strauß Orchester das gesamte Repertoire von der Klassik bis zum Jetzt auf und ab spielt und so die Stärken – und kleinen Schwächen – der Kollegenschaft in der Musikgeschichte fast täglich hautnah erfährt. Mindestens so breit ist der Rahmen, den er als Keyboarder bei Supercussion Vienna, im Ensemble „die reihe“, dem Ensemble Kontrapunkte und bei verschiedenen Musical- und Schauspielproduktionen erfahren durfte, und der ihn noch weiter in die Bereiche der massenwirksam unterhaltenden und der neuesten Konzertmusik einführte. Quasi spiegelverkehrt erlebt er das Wirken der Musiker – und die Wirkung der Musik – wenn er selbst als Dirigent einem Kollektiv vorsteht und plötzlich Erster unter Gleichen ist. Solcherart konnte man ihn etwa am Pult des ORF RadioSymphonieorchesters Wien, des Tonkünstlerorchesters Niederösterreich, des Symphonieorchesters Dubrovnik, des Österreichischen Johann Strauß Ensembles, des Ensembles Das Karussell, des Wiener Concert-Vereins und bei Konzerten mit Mitgliedern des Brucknerorchesters Linz ebenso erleben, wie zuletzt bei Aufnahmen und Konzerten der Symphonie ORCA von Serj Tankian, sowie mit Rebekka Bakken oder mit Roger Hodgson von der legendären Rockgruppe „Supertramp“.

Mit diesem vielfältig-kreativen Zugang zur Musik steht Steinmetz in der besten Tradition der Musikgeschichte von Bach und Mozart bis zu Strawinsky und Bernstein. Und wie man aus diesen Namen unwillkürlich ersehen mag, steht diese musikalische Positionierung auch in engem Zusammenhang mit seinen ästhetischen Prinzipien als Musikschöpfer: Wie den Genannten ist auch Werner Steinmetz ein polarisierendes Denken in Kategorien wie E und U fremd. Nicht die hehre „ernste“ Musik drückt für ihn Überlegenheit vor der seichten „Unterhaltung“ aus, sondern der Anlass steht für ihn im Zentrum, aus dem sich die kompositorische Idee und somit geradezu in logischer Konsequenz die Anwendung der ihm in diesem Moment adäquat erscheinenden Mittel ergibt. Geben ihm die Erfahrungen durch die Wiedergabe der Werke anderer Komponisten wertvolle Hinweise für die praktische Ausführbarkeit eigener schöpferischer Gedanken, so vermag er sich als Interpret durch die Brille eines Komponisten auch in fremde Werke hineinzuversetzen und Vorstellungen so umzusetzen, als wäre er selbst in diesem Augenblick ihr Autor. Gleiches gilt für den schöpferisch Kreativen, wenn er sich mit dem Arrangieren bestehender Musik befasst. So wurde seine Kammerorchesterfassung von Franz Schrekers Oper „Der Schatzgräber“ beim Linzer Brucknerfest 2013 von Publikum und Presse aufgrund der subtilen Detaillierung und des Erhalts der im Original herrschenden Klangsinnlichkeit mit großer Zustimmung aufgenommen.